Reichertshofen – Einen Smiley zeichnen, ein Frühstück zubereiten oder beim Einkaufen die richtigen Dinge finden – eigentlich ganz alltägliche Aufgaben. Doch was passiert, wenn das eigene Gehirn die Informationen plötzlich nicht mehr so verarbeitet, wie man es gewohnt ist? Genau das konnten die Teilnehmer beim Demenzsimulator in der Mensa der Mittelschule Reichertshofen am eigenen Leib erfahren.
Im Rahmen der 7. Bayerischen Demenzwoche hatte Quartiersmanagerin Janine Weiß zu der Veranstaltung eingeladen. An verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmer typische Situationen aus dem Alltag eines Menschen mit Demenz ausprobieren. Das Schulungsmaterial von „Hands-on-Dementia“ führte dabei durch einen beispielhaften Tagesablauf.
Dabei war vieles bewusst so gestaltet, dass es für die Teilnehmer schwierig wurde. Durch spiegelverkehrte Sichtweisen mussten Aufgaben bewältigt werden, die normalerweise ganz selbstverständlich erscheinen. Einkaufen, Hausarbeit, Frühstück und Abendessen oder Situationen im Straßenverkehr wurden so zu echten Herausforderungen.

Perspektivwechsel: Bürgermeister Michael Franken probierte beim Demenzsimulator verschiedene Alltagssituationen aus. Quartiersmanagerin Janine Weiß begleitete ihn dabei.
„Das ist ganz schön schwer“, stellte Bürgermeister Michael Franken (JWU) fest, als er versuchte, verschiedene Figuren nachzuzeichnen. Durch den Spiegel wollte ihm das allerdings nicht so recht gelingen. Auch Martina Westner kämpfte mit einer Zeichenaufgabe: Sie sollte einen Smiley nachzeichnen, der nicht so richtig lächeln wollte. „Passend zum Ausgang der aktuellen Wahlen“, kommentierte sie die Situation augenzwinkernd.

Martina Westner versuchte sich an einer Zeichenaufgabe des Demenzsimulators – und musste dabei feststellen, dass selbst ein Smiley zur Herausforderung werden kann.
Wie sehr die ungewohnte Wahrnehmung das Gehirn durcheinanderbringen kann, erlebte auch Gisela Kremer. Bei ihrer Aufgabe „Abendessen“ musste sie verschiedenfarbige Murmeln in die passenden Becher löffeln – allerdings ebenfalls unter erschwerten Bedingungen. „Das Hirn wird durcheinander gebracht“, stellte sie fest.
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Gar nicht so einfach: Gisela Kremer stellte beim Demenzsimulator fest, wie schwierig eine eigentlich einfache Aufgabe werden kann, wenn die Wahrnehmung aus dem Takt gerät.
Genau darum ging es bei dem ungewöhnlichen Erlebnis. „Es geht darum, für die Perspektiven und Einschränkungen der Menschen mit Demenz zu sensibilisieren“, erklärte Janine Weiß. Sie betonte zugleich, dass es keineswegs ein Hinweis auf Demenz oder Alzheimer sei, wenn jemand eine der Aufgaben nicht bewältigen könne. Die Übungen sollten vielmehr nachvollziehbar machen, wie belastend es sein kann, wenn gewohnte Abläufe plötzlich nicht mehr funktionieren.
Der Perspektivwechsel soll Verständnis und Empathie fördern – nicht nur für Menschen mit Demenz selbst, sondern auch für deren Zu- und Angehörige. Denn hinter einer scheinbar einfachen Alltagssituation können für Betroffene ganz andere Herausforderungen stecken, als Außenstehende zunächst vermuten.
Bereits am Vormittag hatten Janine Weiß und Seniorenbeauftragte Waltraud Schembera außerdem einen Informationsstand in Reichertshofen angeboten. Auch der Behindertenbeauftragte Arno Jung war vor Ort. Unter dem Motto „Älter werden in Reichertshofen“ informierten sie darüber, welche Angebote es vor Ort gibt, wer unterstützen kann und an wen sich Senioren und Angehörige mit ihren Fragen wenden können.

Dabei ging es nicht nur um Informationen. Weiß berichtete auch von Menschen, die sich mit ihren persönlichen Anliegen an sie gewandt hatten – teilweise mit sehr bewegenden Geschichten. „Wir möchten zeigen, dass wir ansprechbar sind und die individuellen Anliegen ernst nehmen. Manchmal braucht es einfach jemanden, der erstmal nur zuhört“, betonten Schembera und Weiß.
Damit sollten sowohl der Infostand als auch der Demenzsimulator nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zeigen: Wer im Alltag mit Fragen, Sorgen oder Unsicherheiten rund um das Älterwerden oder eine Demenzerkrankung konfrontiert ist, muss damit nicht allein bleiben.
Bericht und Fotos: Verena Vogl














